Versuch eines kolumnenartigen Blogs

Recht auf informationelle Fremdbestimmung | Mär 28th 2008

Informationelle Selbstbestimmung. Geht das überhaupt noch?
Kameras zeichnen die Geschehnisse auf öffentlichen Plätzen auf, sogenannte „Preisausschreiben“ sind Adressensammelbecken, Community Netzwerke Datenexhibitionistentreffen und selbst diese Seite ist vermutlich bald irgendwo bis in alle Ewigkeit gespeichert.

Aber der Bürger kommt dem Staat, den Datensammlern und anderen unangenehmen Zeitgenossen auch bereitwillig entgegen.
Zunächst einmal wird nach Schutz geschrieen: Terrorismusgefahr! Wer lässt sich denn nicht gern einschränken und überwachen, wenn man sicher ist? Dieses Urvertrauen in den Staat ist komplett gerechtfertigt, besonders wenn man den Staat eher etwas philosophisch betrachtet. Der Staat, er schwebt engelsgleich über unseren Köpfen, umarmt jeden, erfüllt jeden mit Dankbarkeit und ist übergütig. Wenn der Staat ein Wesen wäre, wäre er ein brauner, moment schlechte Farbe, durchsichtig-silbern schimmernder Dackel mit Flügeln. Natürlich muss man dazu vergessen, dass es kein Dackel ist, sondern Menschen, die vor den fernsehähnlichen Bildschirmen sitzen und auf das Dekolleté deiner Freundin zoomen. Arbeitsalltag auflockern heißt das.
Nicht nur in dieser ARD Sendung von 2006 wird die tatsächliche Wirkung dem Gefühl der Sicherheit gegenübergestellt. Terroristen basteln sicher die Bomben nicht auf dem Marktplatz, sondern vermutlich eher in der Wohnung, vielleicht sogar im Schlafzimmer. Wie wäre es dort mit Videoüberwachung?
„Aber ich hab doch nichts zu verbergen?“ Ja, liebes Killerargument, ich ja auch nicht. Ebenso wenig habe ich aber Bock meine Privatsphäre komplett aufzugeben. Die Tür der Toilette bleibt ja auch verschlossen, wenn mal wieder einer abgeseilt werden muss.
Na, liebes Killerargument? Immer noch Lust auf totale Offenheit jeden und allen gegenüber, besonders silbernen, fliegenden Dackeln? Na, da lief ja noch eine Serie auf Rtl 2, Big Brother hieß die, nichts wie auf und dahin. Dort bist du wirklich total sicher. Als Alternativvorschlag steht die Bewerbung bei Lidl im überwachten Raum.

Ist ein echt geiles Auto. Wahnsinn wie das glänzt. Und ich muss nichts weiter tun, als meine Adresse auf ein Kärtchen zu schreiben und einzuwerfen. Doch hat sich meine Postkarte erstmal dorthin verirrt, geht der Spaß richtig los. Das Auto hab ich zwar nicht gewonnen, aber dafür bekomme ich viele, viele Anrufe und auch viel mehr Post. Die wollen dann was von mir wissen oder was verkaufen. Was mich bei der ganzen Sache nur wundert ist, wie die da ein 50000 € teures Auto so verlosen können.
Ja, Adresshandel ist ein lukratives Geschäft. Und wenn man erstmal in die Fänge dieser Telefonbelästigungsmafia geraten ist, wird es schwer dort wieder heraus zu kommen. Das liegt auch daran, dass diese Telefonfirmen sich auch strikt nicht an das Gesetz halten. Da steht im Datenschutzgesetz z.B. dass man Recht auf Löschung seiner Daten hat, abgesehen davon wenn diese Daten z.B. aufgrund eines bestehenden Kaufvertrags gespeichert werden müssen, wo man wiederum ein Recht auf Sperrung der Daten hat. Diese Telefonwerbungquasselheinis rufen an (und verlangen ein Person, die nicht unter diesem Anschluss gemeldet ist) und fangen ohne Atempause an zu reden. Hier sähe das Telefonwerbungswesen ziemlich zusammengesackt und mickrig aus (kein Rückrat), hat aber die riesige Lunge wie ein Luftballon auf dem Tisch vor sich liegen. Nachdem man den Redeschwall dieses nicht sehr schönen Wesens unterbrochen hat (meistens mit „die wohnt hier nicht“) wird man sofort nach Namen befragt, wobei keinerlei Rücksicht darauf genommen wird, wenn man sein bestehendes Datenschutzrecht einfordert. Bei der Frage woher sie denn die Nummer haben, wird meistens aufgelegt. Dann kann man 15 Minuten bis 1 Stunde warten bis die nächste Megalunge anruft.

Der Leser muss jetzt noch einmal tief Luft holen, denn jetzt geht es zu den Social Networks. Dort entblättern sich Millionen Personen ohne auch nur ansatzweise über die Folgen nachzudenken. Ich denke, dass man vorsichtig mit seinen Daten umgehen sollte, egal ob im virtuellen oder realen Raum.
Das war es schon zu dem Communitykram? Luft raus? Na, gut um den Leser zufrieden zu stellen hier das Wesen im Social Network: der Mund ist ständig am plappern, das Sezierbestreck steckt im Körper, jedem der fragt oder nur zufällig vorbeikommt wird alles erzählt und ausgebreitet. Zudem hat man eine Kleideraversion, da man nichts zu verbergen hat.

Die informationelle Selbstbestimmung ist in diesem Zeitalter wohl kaum wirklich möglich. Allerdings kann man darauf achten, wo man das Preisgeben von Informationen verhindern kann, das fängt bei Payback- Punktesammlung- Boykott an und hört noch nicht bei Preisausschreiben auf.

Noch was: wir leben in einem Rechtsstaat und keinem Präventionsstaat. Das bitte ich zu bedenken.

Hochachtungsvoll
Der Autor


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